{"id":685,"date":"2016-03-31T10:40:38","date_gmt":"2016-03-31T10:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/druga-design.de\/de\/?p=685"},"modified":"2017-08-10T10:56:33","modified_gmt":"2017-08-10T10:56:33","slug":"the-king-is-back-in-town-shooting-interview","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/druga-design.de\/de\/2016\/03\/31\/the-king-is-back-in-town-shooting-interview\/","title":{"rendered":"THE KING IS BACK IN TOWN \u2013 Fotoshooting &#038; Interview mit Frank Kuenster"},"content":{"rendered":"<p><em>Ana Druga: Fotografie | <\/em><em>Mareen Vo: Styling | <\/em><em><span class=\"_5yl5\">Anne Fonfara<\/span>: Maske | <\/em><em>Nana A.T. Rebhan: Journalistin<\/em><\/p>\n<p>INTERVIEW MIT FRANK K\u00dcNSTER: DAS IST DIE LETZTE GROSSE FREIHEIT \u00ad<br \/>\n<strong> AUSZUSPRECHEN WAS ICH DENKE<\/strong><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Du kannst mich alles fragen, ich geb Dir auf alles eine Antwort.<\/p>\n<p><em>Echt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja, das macht meine St\u00e4rke aus. Ich f\u00fchle mich so unglaublich stark, das kannst du Dir gar nicht vorstellen. Ich stand die letzten 5 Jahre an dieser T\u00fcr und wurde angefeindet von 50 Menschen, die nicht verstehen, warum sie nicht reinkommen. Ich hab immer versucht, sie ein bisschen zu erziehen. Dieser Job ist ein ganz unglaubliches Privileg: Es gibt ganz wenige Jobs, bei denen du IMMER frei sagen kannst, was du denkst. Ich hab die Leute beschimpft, dass sie charakterlose, dumme, egozentrische Arschl\u00f6cher sind.<br \/>\nSo sind sie wahrscheinlich sonst noch nie beschimpft worden, weil sie CEOs von wichtigen Firmen sind oder ihr Papa CEO von einer wichtigen Firma ist. 99% von den Leuten haben, nachdem ich sie beschimpft habe, es eingesehen und sich f\u00fcr die Belehrung bedankt. Es ist ja immer die Situation, dass 50 Leute vor der T\u00fcr stehen und es dann Leute gibt, die dr\u00e4ngeln, weil sie nicht verstehen, dass andere Leute dasselbe Recht haben, nur zwei Minuten zu warten, wie sie.<\/p>\n<p><em>Haben die sich dann hinten eingereiht?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Nicht immer, manchmal sind sie dann auch durchgegangen. Das Ma\u00dfregeln ist dann nochmal &#8217;ne Stufe h\u00e4rter, das mache ich dann nur im Notfall. Sie k\u00f6nnen ja nicht \u00fcber meine Worte hinweggehen, denn sie m\u00fcssen sich ja immer wieder mit mir konfrontieren. <strong>Das ist die wahre letzte gro\u00dfe Freiheit: aussprechen zu d\u00fcrfen was man denkt.<\/strong><\/p>\n<p><em>Gibt es denn eine T\u00fcrstehersolidarit\u00e4t untereinander?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Da bin ich ja so arrogant zu sagen: Ich bin ja gar kein T\u00fcrsteher, ich bin ja K\u00fcnstler. Ich baue soziale Skulpturen, und das meine ich auch ernst. Da muss ich auch nochmal zwei, drei Worte auf das Kingsize eingehen. &#8230;Ich mach mir die Welt&#8230;wi di wi di wie sie mir gef\u00e4llt&#8230;Das Kingsize ist ja der interessanteste Club der Welt. Und ich wei\u00df, was ich sage, denn ich war schon in 55 L\u00e4ndern. Das ist f\u00fcr einen Durchschnittseurop\u00e4er schon ganz gut, die meisten haben so um die 30. Ich wei\u00df einfach, dass es auf der ganzen Welt keinen Platz gibt, wo es eine so gro\u00dfe kulminierte Kreativit\u00e4t gibt wie im Kingsize.<\/p>\n<p><em>Wie viele Leute passen da rein?<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> 120. Dann ist es aber richtig, richtig eng.<\/p>\n<p><em>Wie lange warst Du da jetzt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> F\u00fcnf ganze Jahre. Wir haben am 23. April unsere Abschlu\u00dfparty gefeiert und nun schlie\u00dfen wir wegen Anwohnerbeschwerden. Wir haben beschlossen, nach eineinhalb Jahren Auseinandersetzungen mit den Nachbarn, in der wir viel Geld f\u00fcr den Anwalt ausgegeben haben, dass wir dem Stress jetzt aus dem Weg gehen. Wir geben nach. Wir k\u00f6nnten das sicher noch zwei Jahre so weiterf\u00fchren, irgendwie, aber und jetzt kommen wir wieder zu unserer Arroganz: Wir wollen als positive Legende in Erinnerung bleiben. So ein Club oder eine Bar laufen immer einen Transformationsprozess durch, bei dem am Ende die Qualit\u00e4t des Publikums nachl\u00e4sst. Quantit\u00e4t schadet immer der Qualit\u00e4t. Das ist ein Naturgesetz. Wasser ist nass und der Himmel ist blau.<\/p>\n<p><em>Aber du sorgst ja daf\u00fcr, dass die richtigen Leute reinkommen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja, aber dieser ganz elit\u00e4re Kreis, deren Frequenz hat nachgelassen, dahin zu gehen. Dadurch, dass wir nun schon so alt sind, gab es immer mehr Leute, die das Privileg bekommen haben, und dann waren immer mehr Leute dabei, die nicht so super spannend und interessant sind.<\/p>\n<p><em>Und was machst du jetzt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich mache erst mal ein bisschen Urlaub. Das bedeutet, ich werde ein wenig l\u00e4nger schlafen. Mehr Fernsehen gucken und nichts machen. Mich so ein bisschen dem Dolce Vita hingeben, was aber nicht bedeutet Feiern, ich will einfach ein bisschen Ruhe und schlafen. DJ Chaos macht ja einen neuen Club auf. Der hat mir angeboten dort zu arbeiten, und wahrscheinlich werde ich es auch tun \u00ad aus finanzieller Not heraus. Ich habe leider kein finanzielles Polster, auf dem ich mich ausruhen kann, sonst w\u00fcrde ich jetzt reisen. Ich will auf jeden Fall in diesem Jahr noch in den Iran und nach Afghanistan, damit ich das Land 56 und 57 auf meine Karte bekomme.<\/p>\n<p><em>Wie sind denn die Fotos entstanden, die Ana von Dir gemacht hat?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Irgendwann hab ich mal im Scherz zu ihr gesagt, ich will Nacktfotos von ihr haben. Dann hat sie gesagt, ja, aber dann will ich dich zuerst fotografieren. Dieses Freisein aber eingeengt sein durch ein System l\u00e4sst sich meiner Meinung nach gut mit Stacheldraht ausdr\u00fccken. Dem Meldegesetz, der Stra\u00dfenverkehrsordnung, dem Rauchverbot usw. Die Perversit\u00e4t unseres Systems war f\u00fcr mich da der Metaaspekt. Ana hatte die Idee mit dem B\u00e4renfell, die ich auch ganz toll finde, da ich oft mit einem B\u00e4ren assoziiert werde, da ich ja gro\u00df und brummig bin. Ich finde das eine sch\u00f6ne Assoziation. Ich m\u00f6chte ja v\u00e4terlich und besch\u00fctzend zu den meisten Menschen sein.<\/p>\n<p><em>Und ein r\u00f6mischer Bacchus war auch dabei.<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja genau, aber das passt nicht ganz, denn ich bin kein Weintrinker. Ich trinke \u00fcberhaupt keinen Alkohol. Keinen Tropfen. Das hilft, fit zu bleiben. Ich bin jetzt 48 Jahre alt, aber ich f\u00fchle mich die meiste Zeit wie ein 25\u00adj\u00e4hriger. Das meint nicht, dass ich kindisch bin oder so. Aber ich f\u00fchle mich noch so neugierig. Es gibt noch so unglaublich viele Dinge, die ich erleben und sehen m\u00f6chte. Wenn ich mir die Menschen betrachte, die so alt sind wie ich, dann kann ich deutlich sehen, dass die ganz andere Sorgen haben.<br \/>\nDie wollen ihr Haus fertig bauen und sich jetzt schon so langsam zur Ruhe setzen. Wenn sie einen Urlaub machen, dann 5\u00adSterne\u00adRessort und Wellnessbehandlung. Das ist so deren Welt, und da bin ich ganz weit weg von. Das habe ich nat\u00fcrlich auch alles ausprobiert, aber nicht, weil ich mich dazu hingezogen f\u00fchlte, sondern weil ich dazu\u00a0 eingeladen wurde oder Jobs gemacht habe, die das beinhaltet haben.<\/p>\n<p><em>Wie erh\u00e4ltst Du Dir denn Deine Neugierde?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Kann ich gar nicht sagen, aber ich bin unglaublich neugierig auf alles, nur nicht auf Essen.<\/p>\n<p><em>Wie ern\u00e4hrst Du Dich denn?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich esse eigentlich nur Nutella, Honig und Mail\u00e4nder Salami. Mit Brot.<\/p>\n<p><em>Nix Warmes?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich esse einmal in der Woche Wiener Schnitzel mit Pommes im &#8218;Borchi&#8216; (Borchardts-Anm. der Interviewerin), dann ungef\u00e4hr alle vier Wochen Filet Mignon im Grill Royal, auch mit Pommes, und im Wechsel zuhause bereite ich mir K\u00f6ttbullar mit Reis zu.<\/p>\n<p><em>Hat es denn Spa\u00df gemacht, mit Ana alles M\u00f6gliche auszuprobieren?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja, definitiv. Ich habe da auch gar keine Scham, \u00fcberhaupt nicht. Ich habe neulich auch Nacktfotos gemacht im Rahmen des Kommunenfilms. Da bin ich dann mit Michel drauf, und mit uns f\u00fcnf nackte M\u00e4dchen.<\/p>\n<p><em>F\u00fcr die Poster f\u00fcr den Film?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja, genau. Die haben uns auch ein Tattoo gemacht f\u00fcr den Film. (Er zeigt der Interviewerin sein Tattoo) Staatlich aberkannte Kommune.<\/p>\n<p><em>Habt Ihr Euch das gegenseitig t\u00e4towiert?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Nein, nein, wir hatten eine T\u00e4towiererin \u00ad die war auch nackt. (er lacht)<\/p>\n<p><em>Weil wir grade \u00fcbers Nacktsein reden: Hast Du das Gef\u00fchl, dass unsere Gesellschaft spie\u00dfiger wird?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Auf einer Ebene schon. Da muss ich ein wenig zur\u00fcckgehen in die Vergangenheit. Ich hatte mal eine Freundin, die war Exhibitionistin, das war in den 90ern. Ich wei\u00df, dass es damals viele M\u00e4dchen gab, die gerne viel gezeigt haben. Dann gab es eine Zeit, wo das gar nicht so war, und seit zwei, drei Jahren erlebe ich eine Tendenz, dass sich das wieder \u00e4ndert. Vielleicht ist das aber auch nur in meinem engeren sozialen Umfeld so, dass alle M\u00e4dchen immer und \u00fcberall ihre Br\u00fcste zeigen. Ich zeig dir mal ein Bild von meinem Geburtstag&#8230; Das hier war mein Geburtstag &#8230; (Er zeigt der Interviewerin ein Bild auf seinem Smartphone, auf dem sich ein halbes Dutzend barbusiger Frauen um ihn gruppiert hat)<\/p>\n<p><em>Ich glaube, ihr hattet richtig viel Spa\u00df&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich glaube, dass das nicht nur in meinem Umfeld so ist. Die M\u00e4dchen, die hier ihre Br\u00fcste gezeigt haben, die kenne ich alle sehr gut, also nicht falsch verstehen&#8230; Kennst du das Ph\u00e4nomen &#8218;Sexting&#8216;? Junge Menschen machen Nacktselfies und schicken die einander. Ich kann dir sagen, diese M\u00e4dchen haben alle die Handys voll mit Tausenden von Nacktbildern von ihren Freundinnen und Freunden. Ich finde das sehr gut, denn alles Sexuelle ist auch gleich ein politischer Akt. Das Weltkardinalproblem ist ja die Unterdr\u00fcckung der Frau. Ich bin gar nicht islamophob, ich bin nur gegen die Unterdr\u00fcckung der Frau, und der Islam unterdr\u00fcckt die Frau. Deshalb m\u00fcssen wir hier anfangen, Frauen von jeglicher Konvention zu befreien. Jeder Frau muss es jederzeit erlaubt sein, ihre Br\u00fcste zu zeigen! Und die Frau muss auch die Erlaubnis haben, soviel M\u00e4nner zu bumsen, wie sie will. Sie darf nicht verurteilt werden daf\u00fcr! Wenn eine Frau schon eine andere Frau daf\u00fcr verurteilt, wie soll dann die islamische Frau jemals befreit werden? Das ist ein wichtiger politischer Akt: Free the nipple!<\/p>\n<p><em>Ach ja, wunderbar, da sind wir schon beim Film: Wie kamt ihr auf die Idee &#8218;Staatlich aberkannte Kommune&#8216; zu machen und was ist Dein Part dabei?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Die Idee kam von Michel, und ich habe den Film produziert und die Leute besorgt, die mitspielen. Der Film ist aus der Idee entstanden, dass wir was machen wollten, was von unserer Realit\u00e4t erz\u00e4hlt, also dass wir st\u00e4ndig von nackten Frauen umgeben sind. Auch dass wir \u00fcber Politik und \u00fcber Systemkritik im Speziellen reden wollten. Dann aber wollten wir auch in eine Utopie hinein, wie wir dieses System \u00e4ndern k\u00f6nnten. Wir sind ja im Status Quo auch gefangen. Wir reden zwar die ganze Zeit dar\u00fcber, dass wir was \u00e4ndern wollen, aber so richtig was \u00e4ndern k\u00f6nnen wir nicht. Das ist auch ein Kardinalproblem des Films. Der Film erz\u00e4hlt eine Farce \u00fcber eine Kommune, die ein polyamor\u00f6ses und sehr freies Liebesleben haben. Auch die M\u00e4dchen um uns herum akzeptieren das total. Es ist aber trotzdem \u00fcberspitzt. Die Kommune, das sind zwei M\u00e4nner und vier oder f\u00fcnf Frauen, die die meiste Zeit nackt sind. Wir reden \u00fcber Liebe und Politik und Zweifel und Systemkritik. Irgendwann kommen wir zu einem Punkt, an dem wir sagen: &#8218;Wir k\u00f6nnen nicht mehr nur reden wir m\u00fcssen handeln,&#8216; um das System konkret zu \u00e4ndern, um unsere Utopie konkret durchzusetzen von einer freien, anarchischen Gesellschaft. Wir sind dann in den Libanon gefahren \u00ad das haben wir auch in der Realit\u00e4t gemacht \u00ad um auf den Spuren der RAF zu sehen, wie Guerillakrieg funktionieren kann. Dann kommen wir zur\u00fcck und wollen ein paar \u00dcberf\u00e4lle machen. Aber am Ende bleibt es doch eine Farce, weil wir den letzten Schritt nicht machen wollen, dass wir jemanden umbringen. Wir ballern zwar in die Luft, aber es passiert nicht wirklich was, weil wir im Grunde genommen saturierte B\u00fcrgerkinder sind und gar nicht aus unserem Status Quo ausbrechen k\u00f6nnen, was ja die Konsequenz w\u00e4re. Wir m\u00fcssten ganz in den Untergrund. Das funktioniert aber heute gar nicht mehr, weil wir alle viel zu satt sind und viel zu viel zu verlieren haben.<\/p>\n<p><em>Wann wird der Film denn fertig sein?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich hoffe, dass er im Sommer fertig wird. Ich werde alles daf\u00fcr tun. Wir haben versucht, den Film so zu drehen, als w\u00e4re es ein Dokumentarfilm, obwohl es ja eigentlich Fiktion ist. Als wir den ersten Trailer hochgeladen haben, haben mich viele Leute gefragt \u00ad Leute, die mich kennen, die es eigentlich wissen m\u00fcssten \u00ad ob das real ist. Das war ein riesiges Kompliment.<\/p>\n<p><em>Zur\u00fcck zu Deiner Aufgabe als Former menschlicher Skulpturen: Was ist dabei besonders wichtig?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Das wichtigste was ich tue ist die Aufrechterhaltung der Geschlechterparit\u00e4t. Aber es sind immer mehr M\u00e4nner da, immer. Obwohl es auch Abende gab, wo am Anfang des Abends mehr Frauen da waren. Aber gegen Ende des Abends \u00e4ndert es sich immer, weil Frauen immer so ab vier, f\u00fcnf nach Hause gehen, und die M\u00e4nner, die vorher woanders waren, kommen und hoffen, dass sie noch Reste ficken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Funktioniert das denn?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja. (Frank lacht und grinst).<\/p>\n<p><em>Bist Du Buddhist?<\/em><\/p>\n<p>F: Ich sag \u00f6fter mal, dass ich buddhistische Tendenzen habe, aber ich w\u00fcrde mich grunds\u00e4tzlich nicht als Buddhist bezeichnen. Diese religi\u00f6sen Formen finde ich alle abartig, au\u00dfer Buddhismus, den finde ich am wenigsten abartig, aber trotzdem ist es immer noch zu sehr determiniert.<\/p>\n<p><em>Hast du eine Ersatzreligion?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Die Ersatzreligion ist die totale Freiheit, die Anarchie. Den anderen in seiner G\u00e4nze sehen, den anderen m\u00f6glichst wenig einengen wollen.<\/p>\n<p><em>Du bist nicht so auf der Suche nach Bindung, oder?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich bin polyamor\u00f6s, ich liebe ganz viele Frauen, eigentlich alle. Ich habe das Privileg, auch soviel Liebe geschenkt zu bekommen \u00ad ich bin emotional und sexuell erf\u00fcllt. Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, die mir fehlen, das ist Geld und Gerechtigkeit in der Welt.<\/p>\n<p><em>Welche Kriterien gibt es f\u00fcr Frauen, damit du sie liebst?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Intelligent, humorvoll, kreativ und stark.<\/p>\n<p><em>Sch\u00f6n m\u00fcssen sie nicht sein?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Die sind sowieso sch\u00f6n.<\/p>\n<p><em>Alle sind sch\u00f6n?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja, alle sind sch\u00f6n. Ich finde, St\u00e4rke, Humor, Intelligenz und Kreativit\u00e4t machen sch\u00f6n. Ich war mal auf einer Party, da stand ich Donatella Versace gegen\u00fcber. Sie war wirklich h\u00e4sslich, weil ich f\u00fchlen konnte, dass sie keine Seele hat. Sie hat ihre Seele verkauft. Leider sehe ich das oft. Da kann die Oberfl\u00e4che noch so h\u00fcbsch sein, ich sehe dann nur die h\u00e4ssliche, innere Seele.<\/p>\n<p><em>Und wie viele seelenlose Menschen wandern so durch die Nacht?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Leider viele \u00ad aber nicht in meinem sozialen Umfeld.<\/p>\n<p><em>Die d\u00fcrfen dann auch nicht rein, oder?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Naja, ein paar lasse ich schon rein, weil ich ja auch hoffe, dass sie durch meine Positivit\u00e4t wieder initiiert werden.<\/p>\n<p><em>Das ist ein guter Plan. Woher kommt es denn, dass es soviel Seelenlose gibt?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Capitalism Kills Love. Weil wir alles der Effizienz unterordnen m\u00fcssen nur um zu \u00fcberleben. Das muss Emotion t\u00f6ten, das geht gar nicht anders, das sind zwei widerspr\u00fcchliche Linien.<\/p>\n<p><em>Warum ist dir das Filme machen wichtig?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Letztendlich will ich meine Sicht der Dinge den Menschen erz\u00e4hlen. Das kann ich zwar im Kingsize auch, aber da k\u00f6nnen mir ja immer nur zehn Menschen zuh\u00f6ren. Ich dachte mir, wenn ich Filme mache, dann k\u00f6nnen mir mehr zuh\u00f6ren. Ich denke, es ist gut, immer wieder auf das Wahre, Sch\u00f6ne und Gute hinzuweisen und das immer wieder zu betonen. Alles funktioniert ja durch Redundanz oder durch Mantra. Je \u00f6fter du etwas Menschen erz\u00e4hlst, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie es irgendwann verstehen.<\/p>\n<p><em>Man sollte mal einen Film \u00fcber dich machen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Macht grade jemand, David Dietl, der Sohn vom grade verstorbenen Helmut Dietl.<\/p>\n<p><em>Und wie weit seid ihr?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Wir haben jetzt so zehn Tage gedreht, er war auch bei unserem Nackt\u00adShooting dabei. Der macht einen Film \u00fcbers Berliner Nachtleben, Sven vom Berghain und Smiley sind auch dabei.<\/p>\n<p><em>Was wird dein n\u00e4chster Film werden?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ich werde eine Doku \u00fcber eine M\u00e4dchenschule in Afghanistan machen weil es am dringendsten ist dar\u00fcber zu reden. Ich finde, dass Frauenbildung das allerallerwichtigste Thema auf der ganzen Welt ist.<\/p>\n<p><em>Hast Du das Gef\u00fchl, dass Deutschsein grade angesagt ist im internationalen Kontext?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Auf jeden Fall. Aus diesen ganzen Skills heraus, dem Anti\u00adHeroismus und trotzdem kreativ und stark zu sein. Wir vereinen so viele Widerspr\u00fcche in uns \u00ad wir bauen immer noch die besten Autos der Welt, auch wenn Toyota tolle Autos baut. Aber Toyotaautos haben halt keine Seele, w\u00e4hrend deutsche Autos immer noch eine Seele haben oder man diese in sie hinein interpretiert. Wir haben so etwas wie die Fusion, was in anderen L\u00e4ndern schwer m\u00f6glich w\u00e4re, obwohl es ja in Amerika den Burning Man gibt, aber das ist ja auch so \u00fcberkommerzialisiert. Wenn du zum Burning Man willst, kostet das 2.000 \u20ac, und auf die Fusion gehen kostet 70 \u20ac. Aber ich bin gegen unser System und m\u00f6chte, dass es gest\u00fcrzt wird, aber trotzdem: die Regierung erlaubt uns wie damals im alten Rom &#8218;Panem et circenses&#8216;, &#8218;Brot und Spiele&#8216; f\u00fcr das Volk, und die Discos sind die Spiele. Die lassen es zu, dass wir uns am Wochenende auspowern, konzessioniert Drogen nehmen, damit wir am Montag wieder arbeiten und nichts hinterfragen.<\/p>\n<p><em>Wenn sich Berlin in eine Richtung entwickelt, dass alles immer sauberer und teurer wird, bist Du dann 2020 noch da?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Ja, denn auch wenn sich Berlin noch mehr provinzialisieren wird, wei\u00df ich, dass es keinen anderen Platz gibt, wo ich leben kann.<\/p>\n<p><em>Auf der ganzen Welt? Du warst doch schon in \u00fcber 50 L\u00e4ndern, und da gibt es nirgendwo ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr Dich?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Es gibt total viele Pl\u00e4tze auf dieser Welt, die ich total toll finde und an denen ich mir gut vorstellen kann, l\u00e4nger Zeit zu verbringen, aber leben? Nee.<\/p>\n<p><em>Was macht denn Berlin f\u00fcr Dich so unersetzlich?<\/em><\/p>\n<p><strong>Frank:<\/strong> Na, es ist der letzte freie Ort der Welt. Wir haben metropolitanen Charakter und der Leistungsdruck ist bei uns am geringsten. Wenn du Berlin mit anderen Metropolen auf der Welt vergleichst, ist es unglaublich, was Menschen in anderen Metropolen auf dieser Welt f\u00fcr einen Stress auf sich nehmen, nur um da zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p><em>Frank, dank Dir f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch und bis bald vor der n\u00e4chsten T\u00fcr \u00ad wo auch immer sich diese befinden wird.<\/em><\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Nana A.T. Rebhan \u00ad sie ist Dokumentarfilmermacherin und manchmal auch Reporterin (<a href=\"http:\/\/www.welcomegoodbye.de\/\" target=\"_blank\">www.welcomegoodbye.de<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ana Druga: Fotografie | Mareen Vo: Styling | Anne Fonfara: Maske | Nana A.T. Rebhan: Journalistin INTERVIEW MIT FRANK K\u00dcNSTER: DAS IST DIE LETZTE GROSSE FREIHEIT \u00ad AUSZUSPRECHEN WAS ICH DENKE Frank: Du kannst mich alles fragen, ich geb Dir auf alles eine Antwort. Echt? Frank: Ja, das macht meine St\u00e4rke aus. 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